Stille der Nacht

 

 

Manchmal, meistens nachts, fällt mir ein,

Ich bin allein.

Wie schön könnte es sein,

Wären wir zu zweien.

 

Doch dann kommt die Erinnerung,

Steigt hoch wie Dunst aus dem Dung.

 

Schmeiß den Brief in den Kasten,

Dann musst du zur Reinigung hasten!

Vergiss nicht Milch einzukaufen,

Und geh nicht wieder einen Saufen!

 

Woher kommst du um diese Zeit?

Das Essen steht seit Stunden bereit.

Bist wieder durch die Kneipen gezogen.

Machst dich um mich keine Sorgen.

 

Machst du heute Liebe mit mir?

Pfui, du stinkst ja nach Bier!

Geh dich erst einmal waschen!

Was hast du immer in den Taschen?

 

Hast du den Klodeckel hochgeklappt?

Hat meine Ermahnung nichts genutzt?

Ist dein Wasser auf den Boden geschwappt?

Hast du alles abgeputzt?

 

Hast du an Gummis gedacht?

Zärtlich, zaghaft, mache es sacht!

Dreh dich auf deine Seite!

Das war mal wieder eine Pleite.

 

Hast du Fenster und Türen geschlossen?

Die Pflanzen sind noch nicht gegossen.

Hast du den Klodeckel wieder heruntergeklappt?

Nun, sei nicht für jede Kleinigkeit gleich eingeschnappt!

 

Wach auf, geh auf das Sofa!

Du schnarchst krächzend wie ein Mofa.

Ich muss Morgen viel tun.

Du kannst immer ausruh'n.

 

So ging es ständig zwischen Frage und Befehl.

Mein Kopf wurde wirr, ich guckte scheel.

Mal Mutter, mal Frau.

Selten wusste ich’s genau.

 

Manchmal, meistens nachts, fällt mir ein,

Wie schön es ist, allein zu sein.