Sektlaune

 

Sie entsprach genau meinen Vorstellungen, meinen Wünschen, meinen Träumen.

Ich war in die Galerie zur Vernissage hinein geschlendert. Hatte mir ein Paar Bilder bzw. Kunstobjekte näher betrachtet. War mit meinem Glas Champagner den Wänden entlang gestrichen und hatte, wenn mir ein besonderer Duft, ein besonderes Aroma Frau in die Nase glitt, begierig aufgeschaut.

Die optische Enttäuschung warf meinen Blick zurück auf die Farbharmonien an den Wänden.

Der silbrig helle aufsteigende Ton eines Lachens riss meine ganze gespannte Aufmerksamkeit in den dunkelroten Mund, aus dem er sprudelte, wo er am Gaumen zum lustvollen Schnurren wurde.

Da stand sie. Im quirligen Gespräch mit zwei anderen Frauen.

Ihre roten gewellten Haare flossen über ihr Haupt, ihren weißen Hals entlang, über die weichen Schulterrundungen und loderten eine Feuersbrunst gleich, wie einst bei Rita Hayworth.

Ihre smaragdgrünen Augen tänzelten sprühende Lebendigkeit. Hohe slawische Wangenknochen betupft mit einem Hauch Rouge fokussierten der Augen mandelförmigen Schnitt.

Ihre kleine leicht gestupste Nase krönte einem Obelisken gleich den volllippigen, elliptischen, sündigen Mund. Perlmutfarbene Zähne glitzerten alldurchscheinend durch Raum und Zeit. Zwei Grübchen glommen keck in den Aprikosenwölbungen ihrer Wangen.

Ein grünes Kostüm mit Minirock umschlang hauteng ihren wohl gewölbten Leib.

Der Busen einer Dolly Parton quoll aus dem nur angedeuteten Dekolleté.

Meine Speicheldrüsen hyperventilierten.

Der Schwung von Taille und Hüften war Marylin Monroe in Niagara.

Die langen schlanken Beine, mit den spitzen Knien und den zierlichen Knöcheln waren Kim Basinger. Die sanft gebogenen Füße wurden von roten Pumps eingefasst und behütet.

Ihr Augenaufschlag, der mich ansprang, wellte die Erotik Chers in mein Stammhirn.

Mir schwindelte es. Mein pochendes, glühendes Blut war mir in den Bauch und zwischen die Beine gesackt.

Sie war die Kulmination all meiner Wünsche.

Mein kühnster Traum verwirklichte als sie im Becken schwingend, Panther geschmeidig, zielstrebig auf mich zukam.

Ihre warmen, weichen Lippen schlossen sich um meinen Mund. Ihre samtene Zunge stieß in meinen Hals. Die Spitze drang mir bis zum Steißbein. Heiße seidige Lavaströme pulsten in meinen Lenden. Ich ejakulierte.

Noch immer wortlos führte sie mich hinaus zu einem Sportwagen. Entführte mich in die sternenklare, sommerwarme, mondgesichelte Nacht, die nach blauem Flieder roch.

Wir lagen im Gras. Nackt. Im Scheinwerferlicht des Wagens schwoll ihr rosaweißes Fleisch mir wollüstig entgegen.

Wir hatten uns gegenseitig jeden Millimeter des Leibes mit der Zunge, den Lippen und den Fingerspitzen liebkost. Zwei Flaschen Champagner, den sie im Kofferraum hatte, lagen schon leergetrunken zwischen den Grashalmen. Eine dritte Flasche war schon angebrochen.

Der Druck in meinen Lenden nahm zu.

Das Vorspiel hatte mich den Vulkanhals hinauf getrieben. Ich sehnte mich nach einer erneuten Eruption.

Sie hatte geschrien, gebrüllt, aber kein Wort gesprochen. Kleine spasmische Orgasmen waren ihren Gliedern entlang gekrochen.

Ich hielt es nicht aus. Ich wollte, musste in sie eindringen.

Ich griff nach ihr. Und griff durch sie hindurch. Ihr Haar loderte auf und veraschte. Ihre Brüste fragmentierten, lösten sich auf. Die Schwärze der Nacht sog ihre milchige Weisheit auf.

Ich hatte zu viel getrunken. Meine Lust hatte mich überschwemmt. Ich strengte mich an. Ich schaffte es nicht, sie, meine Vorstellung, zu erhalten.

Ein Schleier zog über die Sichel des Mondes.

Sie war meinem Traum entwichen.

Ich saß im Gras. Trank meinen Faber Sekt. Blickte in das Licht meines Golfs und schrie orgastisch.